Logo des Deutschen Architektur Verlages
Andreas Friedel
© Andreas Friedel
Buch
EBook
App

Ausbauhaus Neukölln

Das Ausbauhaus Neukölln von Praeger Richter Architekten bietet viel Raum zum Wohnen für unterschiedliche Lebensentwürfe und Budgets. Es handelt sich um ein durch eine Baugruppe realisiertes Mehrgenerationenhaus mit 24 Einheiten. Das Gebäude befindet sich auf einem 1.400 m² großen Eckgrundstück in Berlin-Neukölln, direkt an der Ringbahn. Durch den hohen Vorfertigungsgrad, die großzügige räumliche Grundstruktur und den individualisierten Ausbau nach unterschiedlichen Standards bietet es besonders kostengünstigen Wohnraum mit gleichzeitig hoher räumlicher Qualität. So sind Wohnungen – je nach handwerklichen und finanziellen Fähig­keiten – günstig entstanden und individuell gestaltet worden.

Das Haus fügt sich in Höhe und Volumen in die gründerzeitliche Blockstruktur und die Wohnbebauung der 1970er Jahre in der Umgebung ein. Vor dem Hauseingang befindet sich ein Hof, welcher als gemeinschaftlicher Aufenthaltsbereich mit Fahrradstellplätzen, einem Spielplatz und Sitzbänken ausgestattet ist. Auf der Südseite sind Gärten angelegt. Ein übergeordneter gestalterischer Zusammenhang wird durch ein monochromes Farbkonzept erzeugt, das bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen die Beton-, Stahl-, Putz- und Dachstein-Oberflächen optisch verbindet und gleichzeitig fein voneinander abhebt. Die 20 m² großen Süd-Loggien, welche jeder Einheit angegliedert sind, erweitern den Wohnraum in einen großzügigen privaten Außenraum.

Ziel war es, drei zentrale Qualitäten umzusetzen: Alle Einheiten sollten sich durch eine lichte Raumhöhe von 3 m auszeichnen, jede Wohnung mit einer großzügigen Süd-Terrasse ausgestattet sein, und tragende Wände innerhalb der Wohnun­gen vermieden werden, sodass ein hochflexibler Ausbau mit jeglichem Grundriss möglich bleibt.

Um einen stützenfreien Grundriss über 10 m zu ermög­lichen, wurden Spannbetondecken eingesetzt, deren erhöhte Lasteintragung durch Beton-Halbfertigteilwände in Vorfertigung abgetragen wird. Durch die Befreiung des Grundrisses von der Tragstruktur und die flexible Lochfassade sind vielfältigste Grundrissvarianten möglich, ohne in die Gesamtstruktur des Hauses eingreifen zu müssen.

Das Konzept des Ausbauhauses ermöglicht es durch das Prinzip der Ausbaustandards, individuell zu planen und zu bauen. In der Bauphase wird zuerst die Gebäudehülle mit allen fachlich notwendigen Schnittstellen erstellt. Je nach den Bedürfnissen der Bauherren können die Wohnungen dann nach dem »Standard: Loft« als Einraum-Loft, nach dem »Standard: Wohnung« als unterteilte Wohnung oder in Eigenleistung mit anderen ArchitektInnen oder HandwerkerInnen ausgebaut werden. Im Projekt Neukölln wurden sechs Einheiten als Loft, vierzehn Einheiten als Wohnung und vier Einheiten ab Rohbau ausgebaut.

© Andreas Friedel
© Andreas Friedel

Die Vorteile sind eine hohe Entscheidungsfreiheit für die NutzerInnen und die Möglichkeit, preiswert ins Eigentum einzusteigen und dieses später individuell weiterzubauen. Die Grundvorrausetzung hierfür ist die wirtschaftliche, vertragliche, rechtliche und technische Trennung des Gesamtprojekts, also des Rohbaus, vom Ausbau der Wohneinheiten. Die technische Ausrüstung der Wohnungen ist entgegen der Regelausführung niemals wohnungsübergreifend, sondern innerhalb ihrer Hülle gelöst, sodass der individuelle Ausbau noch während der Errichtung des Rohbaus geplant werden kann, ohne, dass es zu Umplanungen im Gesamtprojekt kommen muss.

Durch die Freiheiten beim Ausbau entstehen individu­alisierte Nutzungseinheiten, die in hohem Maße durch die Eigen­tümerInnen beeinflusst werden können. Das oft starke Engagement der einzelnen NutzerInnen ist nicht nur Teil der Aneignung der eigenen Wohnung, sondern auch des Hauses und der Hausgemeinschaft. Das Ausbauhaus bietet eine Grundstruktur, die für Veränderungen und somit für eine aktive Inbesitznahme durch seine NutzerInnen offen bleibt. So richten sich WohnungseigentümerInnen Gewächshäuser, großzügige Loggiengärten, Bereiche zum Handwerken oder im Sommer ein Bett im Freien ein.

Der gemeinschaftliche Hof wird in gleicher Weise für das alltägliche Miteinander und als Spielplatz genutzt. Diese Formen der Aneignung, der Bildung von sozialen Gemeinschaften und Nachbarschaften macht das Ausbauhaus zu einem lebendigen Gebäude.

Baujahr
2014
Bauherr
Baugruppe Ausbauhaus Neukölln GbR
Fläche
3.600 m²
Standort
Berlin
Deutschland
Beteiligte
Tragwerksplanung Janitz Ingenieure, Projektsteuerung Müller Rose Projektsteuerung, Ingenieurbüro Lüttgens

Praeger Richter

Praeger Richter
Braunschweiger Straße 41
12055 Berlin
Deutschland

Weitere Projekte