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außen Daniel Sumesgutner, innen WIBU-Gruppe
© außen Daniel Sumesgutner, innen WIBU-Gruppe
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Bethanien-Höfe Eppendorf

Das Projekt Bethanien-Höfe Eppendorf von nps tchoban voss zeigt gemeinschaftliches Wohnen in einer ihrer eigentlich naheliegendsten Formen, die jedoch im Hinblick auf qualitativ hochwertige Architektur eher selten im Fokus steht. Das Konzept des betreuten Wohnens fußt auf der Notwendigkeit von Gemeinschaft und gegenseitiger Unterstützung, ohne welches das selbstbestimmte Leben vieler Menschen nicht zu gewährleisten wäre. Die ArchitektInnen haben diesen Typus des gemeinsamen Wohnens vor dem historischen und sozialen Hintergrund der Bethanien-Schwesternschaft Hamburg und des Ortes selbst in ansprechende Architektur gebracht und für deren diakonischen Dienst an der Gesellschaft am alten Standort des Mutterhauses neue Räumlichkeiten geschaffen. Das Gebäudeensemble mit seniorengerechten Wohnformen befindet sich am östlichen Rand des Eppendorf Parks. Drei einzelne Gebäudeteile bilden einen blockrandartigen Komplex, welcher eine Abfolge von vier Innenhöfen unterschiedlicher Nutzung und Öffentlichkeit aufspannt und so die namensgebenden Elemente des Projekts schafft. Den größten Flächenanteil nimmt eine vollstationäre Pflegeeinrichtung mit 123 Plätzen ein, gefolgt von einer Residenz mit 68 betreuten Wohneinheiten im Haus am Park und schließlich dem neuen Mutterhaus mit 21 Diakonissinnen-Wohnungen und den Räumlichkeiten der evangelisch-methodistischen Gemeinde Eppendorf. Die Innenhöfe sind ihrer Funktion entsprechend mit ­»Empfangshof«, »Begegnungshof«, »Kleiner Hof« und ­»Gartenhof« benannt worden.

Die Baukörper besitzen eine einheitliche kubische Form aus rotbraunem Klinker mit lebendigem Brand, welche sich an der Umgebungsbebauung orientiert. Sichtbetonelemente akzen­tuieren Fensteröffnungen und eingeschnittene Loggien. Das Thema eines subtraktiven Inneren der Baukörper wird mit hellem Putz an den zurückversetzten Flächen der Loggien und Balkone und den zu den Innenhöfen ausgerichteten Fassaden inszeniert. Ein weiteres markantes, wiederkehrendes architektonisches Thema findet sich in den gewellten Elementen der Balkonbrüstungen, den Vordächern, den Stützenkapitellen des Wandelgangs und der Verbindungsbrücke im Eingangsbereich wieder. Die dynamische Form kontrastiert somit deutlich die klare, kubische Form der Baukörper. Das Motiv der Welle wird in anderer Materialität ebenso bei der Erfüllung der hohen Schallschutzanforderungen aufgegriffen. Geschwungene Stahlblechwellen mit Lochmuster in Blattform bilden den äußeren Teil des mehrschichtigen Fensteraufbaus, der eine optimale Kipplüftung ermöglicht und gleichzeitig die Fassade durch plastische ­Additionen rhythmisiert.

 © außen Daniel Sumesgutner, innen WIBU-Gruppe
© außen Daniel Sumesgutner, innen WIBU-Gruppe

Das Programm des betreuten Wohnens sieht verschiedene Orte der Begegnung und des Zusammenlebens im gesamten Gebäudeensemble vor, welche durch die Innenhöfe in ihrer zentralen Bedeutung im Außenraum geschaffen werden. So ist neben mehreren Gemeinschaftsräumen mit ­unterschiedlichen Gestaltungsthemen der Wandelgang des Begegnungshofs besonders auf das Zusammenkommen der BewohnerInnen ­ausgerichtet. Durch seine Ausformung an einen Kreuzgang erinnernd, lädt zusätzlich eine umlaufende Bank zum meditativen Verweilen ein. Barrierefreie Rundwege aus Betonplatten und Betonpflaster mit weiteren Sitzgelegenheiten in der Abfolge der Höfe runden diese als Begegnungsort im Freien ab und gewährleisten maximale Mobilität der BewohnerInnen. Weitere Möglichkeiten des Zusammenkommens bieten sich im öffent­lichen Restaurant, den Gemeinschaftsküchen, der Gartenterrasse, dem Wellnessbereich mit Schwimmbad, einem Clubraum und ­weiteren Veranstaltungsräumen.

Schließlich bietet das neue Mutterhaus der Bethanien-Schwesternschaft als religiöses Zentrum des Hauses neben Wohnungen für die Schwestern auch Räumlichkeiten für die evangelisch-methodistische Gemeinde Eppendorf. Die Wohnungen der Diakonissinnen im 1. bis 4. Obergeschoss sind ebenso wie alle Wohn- und Pflegeeinheiten des restlichen Komplexes vollkommen barrierefrei gestaltet. Das Erdgeschoss beherbergt die Räume der Kirchengemeinde, in denen eine zweigeschossige Kapelle mit Empore inbegriffen ist. Diese ist zusammen mit den angrenzenden Veranstaltungsräumen für die Öffentlichkeit zu mieten und verankert das Ensemble ebenfalls auf funk­tionaler Ebene im Quartier.

Baujahr
2015
Bauherr
Bethanien Diakonissen-Stiftung
Fläche
17.375 m²
Standort
Hamburg Eppendorf
Deutschland
Beteiligte
Ingenieurbüro Schaller, Dip.-Ing. Torsten Knoth, Ingenieurbüro T. Wackermann GbR, Akustikberatung Jacobi Haustechnik F&P Consult, IGH-Haustechnik GmbH, Coqui Malachowska Coqui, GHP Landschaftsarchitekten

nps tchoban voss

nps tchoban voss
Ulmenstraße 40
22299 Hamburg
Deutschland

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