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Ditz Fejer, Jörg Seiler
© Ditz Fejer, Jörg Seiler
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Dachausbau und Sanierung eines Gründerzeithauses

Städtische Räume unterliegen einem ständigen gesellschaft­lichen und kulturellen Wandel. Der steigende Zuzug aus länd­lichen Räumen in die Stadt sowie die fortschreitende ­Individualisierung der Gesellschaft sind Gründe dafür, dass Wohnraum immer knapper wird. Gerade in Wien ist daher die Nachverdichtung von immer größerer Bedeutung und stellt damit eine ökonomische Möglichkeit dar, mehr Platz zum Leben zu schaffen. Vorteilhaft an dieser Art der Stadtplanung ist außer­dem, dass die bestehende Infrastruktur besser genutzt wird, keine Grünflächen für Neubauten geopfert werden müssen und die zum Teil alte Bausubstanz der Städte erneuert, saniert und aufgewertet werden kann.

Für Triendl und Fessler Architekten ZT OG bot sich die ­Möglichkeit, einen Dachausbau und die Sanierung eines Gründer­zeithauses in Wien durchzuführen. Auf dem Bestandsgebäude entstanden mehrere Wohneinheiten zwischen 50 und 90 m2, die sich jeweils als zonierte Einraumwohnungen über zwei Ebenen erstrecken und interessante Außenräume in Form von straßenseitig in das Dach eingeschnittenen Terrassen besitzen. Räumlich sind die jeweiligen Wohnungen so organisiert, dass sich in der unteren Ebene die öffentlichen Bereiche be­finden, wohingegen die obere Etage als private Schlafebene dient. Die tiefen Terrasseneinschnitte strukturieren den Grundriss und bilden gleichzeitig attraktive Freiflächen mit Blick auf die Stadt. Da die Verglasung in diesen Bereichen zum Teil zweigeschossig ausgeführt ist, werden die Wohnungen ausreichend belichtet und auch in der oberen Etage eröffnen sich den BewohnerInnen reizvolle Ausblicke. Des Weiteren wurde eine teurere und aufwändigere Schrägverglasung an diesen Stellen eingespart. Durch die offene Grundrissgestaltung ermöglichen großzügige Lufträume innerhalb jeder Wohneinheit vielfältige räumliche Beziehungen.

© Ditz Fejer, Jörg Seiler
© Ditz Fejer, Jörg Seiler

Der Entwurf wurde als Holzbau realisiert. Aus Sicht der ArchitektenInnen stellt dieser Rohstoff im urbanen Raum eine Möglichkeit dar, nachhaltige Gebäudekonzepte mit ­ökologischen Materialien mitten in der Stadt umzusetzen. Ein enger Kosten­rahmen, hohe technische Vorgaben und die spezifische Gebäudestruktur des Bestandes waren weitere Bedingungen, welche für diese Bauweise sprachen.

Eine Konstruktion aus Holz verstärkt neben der schnellen Bauzeit mit seinen typischen räumlichen Qualitäten außerdem den Bezug zu dem alten Dachstuhl. Dem Gebäude wurde zunächst eine Holz-Beton-Verbunddecke über dem letzten Bestandsgeschoss eingesetzt, welche die strengen statischen Anforderungen erfüllt und eine ausreichende Lastverteilung ermöglicht, darauf wurde das Haupttragwerk in Form eines Stahl-Holz-Hybridsystems gesetzt. Aussteifende Bauteile wie Decken und Wandelemente sind in Brettsperrholz ausgeführt, was ebenfalls einen geringen Stahlanteil bedeutet und schlankere Aufbauten zuließ. Durch die Vorfertigung vieler Bauteile waren weitere Einsparungen im Bereich von Kosten und Bauzeit möglich. Bei der Fassade wurde zugunsten von Metallbändern entschieden, die durch schuppenartige Anbringungen die Horizontalität des Dachs betonen. In den verglasten Bereichen und den Gauben wurden die Metallbänder als Lamellen aufgebrochen und dienen dort zusätzlich als Sicht- und Sonnenschutz.

Wohnbau ist in der heutigen Zeit stark von strengen Regeln geprägt. Triendl und Fessler vertreten daher den Grundsatz, erst fundamentale architektonische Qualitäten wie Raum, Struktur und Form zum Vorschein zu bringen, um Architektur zu schaffen. Auch bei diesem Entwurf in Wien diente ihnen so die »Poesie des Wenigen« als Grundlage für die Konzeptfindung. ­Intelligente, nachhaltige und inhaltlich präzisierte Lösungen sowie hochwertige Oberflächen und Materialien sollen zudem das Wohlbefinden der NutzerInnen steigern und einen Mehrwert für das Stadtbild schaffen.

Baujahr
2015
Bauherr
Privat
Fläche
415 m²
Standort
Lederergasse
1080 Wien
Österreich

Triendl und Fessler

Triendl und Fessler
Mollardgasse 2/13
1060 Wien
Österreich

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