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Udo Meinen
© Udo Meinen
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Die Flora

Das Projekt Die Flora, das nach seinem Standort des Neubaus in der Florastraße benannt wurde, versteht sich als Baugruppe für Freiberufler im Stadtteil Berlin-Pankow. Realisiert wurden dort Wohnungen für insgesamt vier Parteien sowie drei angegliederte Gewerbeeinheiten. Zwei Wohnungen in Form von Townhouses werden über den Garten erschlossen und ziehen sich mit Küche, Wohnraum, Kinderzimmern, einem Elternschlafbereich sowie einer Loggia über alle vier Ebenen des Gebäudes. Die restlichen beiden Einheiten erstrecken sich jeweils über zwei Geschosse als Maisonettewohnungen und werden ebenfalls von der Hofseite, beziehungsweise eine der Wohnungen über ein innenliegendes privates Treppenhaus erschlossen.

Die Grundrisse der Wohneinheiten sind in drei Zonen gegliedert, wobei die mittlere Zone für sekundäre Nutzungen mit geringem Lichtbedarf geplant ist. Dort befinden sich außerdem alle Installationen sowie eine technische Lüftungsanlage, die für die Erfüllung des KfW-70-Standards gefordert war. Für das räumliche Konzept war es für die Bauherren wichtig, Arbeiten und Wohnen zu verbinden, dabei gleichzeitig aber auch einen Garten und eine Loggia sowie jeweils eigene Eingangstüren zu besitzen. Die Gewerbeeinheiten, die nun von Künstlern, Psychologen und Ingenieuren für die jeweilige Tätigkeit genutzt werden, sind zur Straße ausgerichtet und bilden das Gesicht des Gebäudes, welches stark durch die individuellen Lebensweisen der BewohnerInnen geprägt ist und dadurch eine besondere Identität besitzt. Um den Wünschen der Bauherren gerecht zu werden, entschieden sich Jan Wiese Architekten bei den Wohntypologien für diese Aufteilung in Townhouses und Maisonettewohnungen, welche in Verbindung mit den Gewerbeeinheiten zu einem Ganzen gefügt wurden. Die zur Straße gerichteten Arbeitsräume sind rückseitig mit den Wohnungen verbunden, deren Haupteingänge sich jeweils auf der Hof-, beziehungsweise Gartenseite, befinden.

 © Udo Meinen
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Städtebaulich schließt das Gebäude in Nord-Süd-Ausrichtung an der Vorderseite den Blockrand zur Florastraße innerhalb einer Gründerzeitparzelle und öffnet sich auf der Rückseite in Richtung Garten. Im Westen schließt sich das Projekt direkt an die Nachbarbebauung an, wohingegen sich im Osten derzeit noch eine weitere Baulücke befindet. Um den ­Anforderungen als KfW-70-Haus gerecht zu werden, ist der Stahlbetonbau mit einem 22 cm starken Wärme-Dämm-Verbundsystem ­be­kleidet. Eine zusätzliche Fassadenbekleidung war aufgrund des limitier­ten Budgets nicht mehr möglich, wobei die Fassade dennoch eine monolithische Wirkung besitzt. Da Fallrohre, Leitungen, Sonnenschutz und Entwässerung zugunsten des Systems verstärkt werden mussten, ergaben sich einige kleine ­Detaillösungen, die dem Haus einen besonderen Ausdruck verleihen.

Für die Townhouses ergaben sich durch die Aufteilung auf vier Ebenen besondere Raumsequenzen. Die Wohnungen werden über den Hof über einen zweigeschossigen Eingangsbereich betreten, der gleichzeitig das Esszimmer sowie den Übergang in den Garten bildet. Im Kernbereich stellt die Küche die Verbindung zu den Arbeitsräumen her. Das erste Ober­geschoss bildet mit einer Empore, die sich zum Erdgeschoss hin öffnet, über die komplette Raumtiefe den Wohnbereich. Darüber befinden sich in der nächsten Ebene die Kinderzimmer und das Familienbadezimmer; den Abschluss des Townhouses bildet im dritten Obergeschoss das Elternschlafzimmer mit eigenem Bad und dem Zugang zur Loggia.

In einer der Townhouse-Wohnungen wurde bewusst darauf verzichtet, Geländer zu lackieren, beziehungsweise Fugen in den Betonfertigteildecken zu spachteln oder zu streichen, sodass sich trotz des identischen Grundrisses im Vergleich zu den ansonsten komplett weiß gestrichenen Wohnungen ein sehr individuelles Wohn- und Lebensgefühl einstellt.

Baujahr
2011
Bauherr
Baugemeinschaft Grüne Flora
Fläche
985 m²
Standort
Florastraße 93
Deutschland

Jan Wiese

Jan Wiese
Senefelderstraße 13
10437 Berlin
Deutschland

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