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 Werner Huthmacher
© Werner Huthmacher
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Drachenburg am Lietzensee

In unmittelbarer Nähe des Lietzensees in Berlin-Charlottenburg realisierten Arnold und Gladisch Architekten 2015 ein Mehrfamilienhaus mit insgesamt 26 Wohneinheiten sowie einer Tiefgarage. Das Projekt ergänzt das denkmalgeschützte Ensemble der »Drachenburg« um einen lichtdurchfluteten Neubau. Der Name »Drachenburg« geht zurück auf ein ehemaliges Wohnheim für angestellte Telefonistinnen der Oberpostdirektion, das früher auf diesem Areal stand. Im Volksmund wurden die Bewohnerinnen damals augenzwinkernd »Drachen« genannt. Sowohl der Projekttitel als auch der Entwurf mit seinen gestalterischen Bezügen stellen daher eine Reminiszenz an die Historie des Ortes dar. In dem sechsgeschossigen Gebäude mit Staffelgeschoss, welches nach KfW-70-Standard entstanden ist, befinden sich Wohnungen von 50 m² bis 150 m2 Wohnfläche.

Noch immer gibt es in Berlin Baulücken aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Der Entwurf von Arnold und Gladisch sollte das einst dreiteilige Ensemble des bekannten Jugendstil- und Postbau-Architekten Otto Spalding wieder ergänzen. Das direkt auf den Lietzensee blickende Vorderhaus sowie ein Gartenhaus hatten den Krieg überstanden. Diese expressionistisch geprägten und mit Klinker gestalteten Baukörper stehen heute unter Denkmalschutz. Ein zweites Vorderhaus, welches einst zur Dernburgstraße ausgerichtet war, wurde damals zerstört, die Fläche wurde zur Grünanlage. Zunächst handelt es sich bei dem Grundstück nicht um eine klassische Baulücke, weil das nördliche Nachbargebäude nicht an die Grundstücksgrenze gebaut worden ist. Für das Gebiet liegt ein geltender Bebauungsplan aus den 80er Jahren vor, welcher eine geschlossene Bebauung vorsieht. Aus diesem Grund wurde an der Nordseite zum Nachbargrundstück entsprechend den Vorgaben eine Brandwand geschaffen. In Richtung des unter Denkmalschutz stehenden Postgebäudes hin gelang es Arnold und Gladisch jedoch, mit dem Vorschlag für eine offen gestaltete Fassade zu überzeugen. Durch die Fensteröffnungen reagiert das Gebäude noch besser auf den Bestand.

 © Werner Huthmacher
© Werner Huthmacher

Maßgeblich für die Entwicklung der qualitativ hochwertigen Wohneinheiten ist die unmittelbare Nähe zum Lietzensee. Jede Wohnung nimmt deutlich Bezug zum umgebenden Grünraum und verfügt jeweils über zwei Balkone oder Terrassen. Freie Sichtachsen durch die Wohnungen erzeugen großzügig wirkende helle Räume und eine visuelle Verbindung zur grünen Umgebung. Der Entwurf zeichnet sich im Inneren durch seine stützenfreien Grundrisse aus, die vom Loft bis zur familienfreundlichen Aufteilung flexibel gestaltbar sind. So entstanden die drei Varianten »Loft«, »Modern Living« und »Family«, die untereinander lediglich bestimmte gemeinsame Fixpunkte aufweisen. Für den Typus »Family« wurde, bezogen auf die Wohnfläche, die größtmögliche Zimmeranzahl eingeplant, während die Variante »Loft« größtmöglichen Freiraum gewährt. Das Angebot der variablen Grundrissgestaltung erforderte die Entwicklung eines statischen Systems, welches diese Flexibilität zulässt.

Auch nach außen hin zeigt sich die Individualität der Grundrisse durch die versetzte Positionierung der Balkone, die unter anderem dafür sorgt, dass sich diese untereinander nur wenig verschatten. Sowohl aus den südlichen Wohnungen als auch aus der begrünten Außenanlage ergibt sich für die BewohnerInnen ein direkter Blick auf den Lietzensee. Die geklinkerten Details und Rhythmisierungen stellen eine Hommage an das benachbarte, denkmalgeschützte Postgebäude dar. Die Projekte von Arnold und Gladisch Architekten beziehen sich immer primär auf den jeweiligen Ort und die geplante Nutzung. Ziel ist die Schaffung einer Architektur mit eigener Handschrift, weiterentwickelt aus dem Vokabular der klassischen Moderne, klar, selbstverständlich und viel­gestaltig.

Baujahr
2015
Fläche
2.400 m²
Standort
Dernburgstraße 56-58
14057 Berlin
Deutschland

Arnold und Gladisch

Arnold und Gladisch Architekten
Belziger Straße 25
10823 Berlin
Deutschland

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