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Simon Menges
© Simon Menges
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Flexibles Wohnen, das auf die sich stetig wandelnden Bedürfnisse der heutigen Stadtbevölkerung reagieren kann, ist eine der großen Herausforderungen zeitgemäßen, urbanen Wohnungsbaus. Mit dem Neubau eines Ensembles aus sechs neuen Stadthäusern schließen zanderroth architekten eine der letzten Baulücken im Berliner Stadtteil Friedrichshain und bieten eine mögliche Antwort auf eben diese Problemstellung.

Die Bebauung, bestehend aus sechs freistehenden Punkt­häusern, entwickelt sich in die Tiefe der ehemaligen Baulücke und vervollständigt so auf neue Art und Weise die für Berlin ­typische städtebauliche Struktur. Klassischer Blockrandbe­bauung in zentralster Berliner Lage wird hier ein fließender Freiraum mit allseitigen Gebäudekubaturen entgegengestellt. Durch den gleichbleibenden Abstand von 15 m und die versetzte Lage zueinander wird mit der neuen städtebaulichen Struktur eine optimale Belichtung gewährleistet. Mit dieser Vorgehensweise lösen zanderroth architekten die herkömmliche Hinterhofsituation auf und interpretieren den Berliner Städtebau neu.

 © Simon Menges
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Die einzelnen Gebäudekubaturen tragen ihren additiven und allseitigen Charakter deutlich nach außen. Jede Wohneinheit bleibt über einen zugehörigen Balkon in entsprechender Breite in der Fassade ablesbar und präsentiert sich als einzelner Baustein in der Gesamtstruktur des Baukörpers. Eine windmühlenartige Anordnung der Wohnungen erzeugt im nächsten Schritt das starke Bild der Allseitigkeit der Gebäude. Als parkähnliche Landschaft umschließt der Außenraum die Kubaturen und unterteilt sich gleichzeitig wieder in drei unterschiedliche Bereiche – die gemeinschaftliche Mitte, das Gartenband und das Wieseneck. Die axiale Mitte verbindet das neue Quartier und vermittelt durch den fließenden Freiraum und die durchgehende Platzsituation zwischen der namensgebenden Liebigstraße im Süden und der Rigaer Straße im Norden. Ganz der Allseitigkeit verpflichtet fügen sich die Eingangsbereiche als Teil des Außenraums ohne gesonderte Inszenierung in das Gesamtbild ein und tragen zur fließenden Verbindung zwischen Wohn- und Außenraum bei.

Die Fassade ist als konsequente Weiterführung der inneren Gebäudestruktur zu begreifen. Jeweils vier Wohneinheiten pro Etage werden im Split-Level-Prinzip über einen zentralen Treppen­kern erschlossen und orientieren sich windmühlenartig in alle vier Himmelsrichtungen um diesen. Immer zwei Wohneinheiten auf gleicher Höhe können entweder als einzelne Wohnungen mit 52 m² und 64 m² genutzt werden oder flexibel zu einer großen Wohneinheit zusammengeschlossen werden. Dieses Prinzip der »Fleximobilie« ist zentraler Bestandteil des zeitgemäßen Projektkonzepts. Durch die variablen Nutzungsmöglichkeiten der Grundrisse wird eine individuelle Anpassung an die sich wandelnden Lebensumstände und Bedürfnisse der BewohnerInnen ermöglicht. Ebenso wird auf diese Weise eine ­möglichst große Zielgruppe an potenziellen NutzerInnen mit individuellen Anforderungen an den Wohnraum bedient und Modelle mit Wohnen und integriertem Arbeiten denkbar.

Die Wohnungsbreiten Balkone erweitern den Wohnraum über raumhohe Verglasungen ins Freie und generieren eine luftige Atmosphäre. Blickdichte Betonbrüstungen an den Stirnseiten erzeugen Privatsphäre und erhöhen die Ablesbarkeit der Strukturen im Gefüge der Fassade.

Baujahr
2015
Bauherr
Baugemeinschaft Liebigstraße 1 GbR
Fläche
9.431 m²
Standort
Berlin
Deutschland
Beteiligte
Ingenieurbüro Andreas Leipold, Ingenieurbüro Lüttgens, herrburg Landschafts­architekten

zanderroth

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Dunckerstraße 63
10439 Berlin
Deutschland

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