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 Lisa Farkas, Jean-Luc Valentin
© Lisa Farkas, Jean-Luc Valentin
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Schwarzwaldblock

Das Büro STEFAN FORSTER ARCHITEKTEN ist auf groß­städtischen Wohnungsbau und Stadtumbau spezialisiert. In ihrer Philosophie und ihren praktischen Bürotätigkeiten stellen sie sich in die Tradition der europäischen Stadt, an die es ihrer Auffassung nach anzuknüpfen gilt. Es geht um die Wiedergewinnung des urbanen Lebensraums und die Entwicklung funktionsfähiger Stadträume. Diese Perspektive liegt dem 2016 fertiggestellten Projekt Schwarzwaldblock im Mannheimer Lindenhof zugrunde. In neun Jahren mit insgesamt vier Bauabschnitten wurde ein nicht mehr sanierungsfähiges Bestandsgebäude entlang dreier Straßen vollständig ersetzt. Durch diese umsichtige Nachverdichtung konnten gegenüber den 160 Wohnungen des Bestands im Neubau rund 85 zusätzliche Einheiten geschaffen werden – bei zugleich höherem Standard je Wohnung mit durchgängiger Barrierefreiheit und weiterhin bezahlbaren Mieten. Mit der abschnittsweisen Realisierung war die Umsetzung der MieterInnen des Bestandsgebäudes verbunden. Diese konnten im Quartier verbleiben.

Der Entwurf basiert städtebaulich auf dem Leitgedanken des großstädtischen Blocks. Der umlaufende Blockrand nimmt Bezüge zum abgebrochenen Bestand und zum örtlichen Kontext auf. Gestaltungselemente, wie das eingerückte Staffelgeschoss, erkennbare Treppenhäuser, der sandsteinfarbene Klinkersockel und die Fensterbänke aus Betonwerkstein erweisen dem Ort ihre Referenz. Die elegante Profilierung und Differenzierung der Fassaden erfüllt eine dienende Funktion gegenüber dem städtischen Raum. Nach Süden öffnet sich das Gebäude durch Balkone und Loggien und reagiert damit auf die offenere Anschlussbebauung an der Schnittstelle von Geschosswohnungsbau im nördlichen Teil des Lindenhofs und den freistehenden Einfamilienhäusern und Villen, die den südlichen Teil in Richtung des Rheinufers prägen.

 © Lisa Farkas, Jean-Luc Valentin
© Lisa Farkas, Jean-Luc Valentin

Neben dem Bezug des Baukörpers zu seiner Umgebung verwendeten die Architekten besondere Sorgfalt auf die Gestaltung des Gebäudeinneren. Die Wohnungen zeichnen sich durch ausgewogene Raumproportionen und den starken Bezug der Grundrisse zum Außenraum aus. Jede Wohnung verfügt über großzügig bemessene private Außenräume in Form von Mietergärten, Loggien und Balkonen oder Dachterrassen. Die einzelnen Häuser sind als Dreispänner konzipiert. Weitgespannte Stahlbetondecken und die kluge Grundrisskonzeption ermöglichen zukünftige Nutzungsänderungen – etwa in Form des Mehrgenerationenwohnens. Diese Qualitäten setzen sich im gemeinschaftlich genutzten, begrünten Innenhof fort.

Der Schwarzwaldblock schafft bezahlbares Wohnen für alle sozialen Schichten inmitten der Stadt. Wertige Eingangs- und Freibereiche mit Patina-fähigen Materialien moderieren dabei den Übergang vom öffentlichen zum privaten Raum. Diese ­Qualitäten wurden auch von der Jury für den Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg 2016 anerkannt: »Die raffinierte, skulpturale Ausformulierung des Kopfbaus verleiht dem Körper Richtung und Charakter. So gelingt es, ein großzügiges Stück Stadt zu formulieren, das dem Quartier Identität verleiht. Besonders der architektonische Standard dieses Blocks liegt weit über dem Anspruch vergleichbarer Bauaufgaben.«

Baujahr
2016
Bauherr
SPAR+BAUVEREIN 1895 Mannheim eG
Fläche
26.030 m²
Standort
Schwarzwald-, Haardt-, Meerwiesenstraße
68163 Mannheim
Deutschland
Beteiligte
Kannemacher + Dr. Sturm Engineering, Frankfurt am Main, TechDesign Gesellschaft für Technische Ausrüstung und Energietechnik mbH, Frankfurt am Main

Stefan Forster Architekten

Stefan Forster
Carl-von-Noorden-Platz 5
60596 Frankfurt am Main
Deutschland

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