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Florian Schreiber
© Florian Schreiber
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Stadthäuser in Ingolstadt

Mit dem Neu- und Anbau von vier mehrfach preisgekrönten Stadthäusern im Rahmen des Ensembleschutzes der Ingol­städter Altstadt ist dem Architekturbüro nbundm* ein beispielhaftes Projekt im historischen urbanen Umfeld gelungen. Im Einklang mit ihren architektonischen Idealen entwickelte das Büro ein gestalterisches Programm, das sich bewusst den globalen Tendenzen der Architektur entgegenstellt um stattdessen einen »reflektierten Regionalismus« zu verfolgen. Im Sinne dieser Philosophie wurde eine konzeptionelle Assimilation der umgebenden historischen Bausubstanz angestrebt um diese im Entwurf des neuen Gebäudekomplexes weiterzudenken.

Die bauliche Maßnahme sah einen Anbau an ein bestehendes, denkmalgeschütztes Bauernhaus und drei Neubauten vor, welche sich in geschlossener Bauweise an den Bestand an­gliedern. Durch das Zurücksetzen der neuen Baukörper konnten neben den Gartenflächen im rückwärtigen Bereich in Richtung Straße private Höfe generiert werden.

Aus der geschlossenen Bauweise und der Weiterführung des Giebelhausstils ergibt sich eine neuartige städtebauliche Typologie zwischen klassischem Stadthaus und Reihenhaus. Die charakteristischen Merkmale der Parzellierung und der Kubaturen der historischen Stadtstruktur wurden in Richtung der neuen Mischtypologie weitergedacht, in welcher der Aspekt des gemein­schaftlichen Wohnens tief verankert ist. Zum einen vermittelt der bauliche Maßstab durch die Satteldachkonstruktion das Gefühl eines Stadthauses, zum anderen weist die innere Struktur der Gebäude platzökonomische Eigenschaften des Geschosswohnungsbaus auf. So konnten insgesamt zwölf neue Wohneinheiten geschaffen werden, welche dem nachbarschaftlichen Kontakt in privater Atmosphäre zugutekommen und für alle Generationen ausgelegt sind. Barrierefreie Wohnungen im Erdgeschoss gewährleisten Wohnen im Alter und die Obergeschosse sollen vor allem junge MieterInnen ansprechen und für WGs zur Verfügung stehen.

 © Florian Schreiber
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Die im Entwurf verwendeten Materialien und baulichen Details markieren weitere Anlehnungen an den historischen städtebaulichen Kontext. Der Anbau vermittelt zwischen dem ­sanierten Bestand und dem zeitgenössischen Entwurf und ­bereitet gleichzeitig die umfassende Neuinterpretation der traditionellen Formen durch den modernen Baukörper vor, indem er die alte Fassade mit ihrem Rhythmus, den Putzfaschen und dem stilisierten Gesims fortführt. Die Neubauten behalten weiterhin die Giebelform, übertragen aber das Thema der Lochfassade in eine zeitgenössische Architektur. Wandöffnungen werden in ­modernen Dimensionen und Positionierung umgesetzt, während die Putzfaschen völlig verschwinden und durch eine Rahmung aus tiefen Holzlaibungen ersetzt werden. Dennoch wirkt die gleichbleibende Materialität mit dem weißen Putz, dem Lärchenholz und den aus dem Bestand übernommenen roten Dachpfannen als bindendes Element im Gesamtkomplex. Im Innenraum wird die freundliche Gestaltung der Außenhülle mit viel Weiß und hellen Holzfußböden fortgesetzt./

Dank eines präzisen Blicks auf die räumlichen und historischen Merkmale des städtebaulichen Kontexts gelang es dem Büro nbundm*, den Neubau harmonisch in die Architektur ­seines Standorts einzubinden. Das Gebäude stellt eine eigenständige und zeitgenössische Interpretation des Vorhandenen dar, die moderne Bauverfahren in Einklang mit dem standorttypischen Stil bringt. Auf diese Weise wird der Bau unverwechselbar mit seiner Umgebung verwoben und entwickelt sich zu einem nachhaltig weitergebauten Bestandteil einer lebendigen Stadt.

Baujahr
2008
Bauherr
Gemeinnützige Wohnungs­baugesellschaft Ingolstadt GmbH
Fläche
1.770 m²
Beteiligte
Grad Ingenieurplanungen GmbH, Hubert Attenberger, Ingenieure Süd

nbundm

nbundm
Eduard-Schmid-Strasse 2
81541 München
Deutschland

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