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Maximilian Meisse
© Maximilian Meisse
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Wohngebäude Neue Roßstraße

Im Stadtteil Berlin-Mitte, zwischen Märkischem Ufer und Neuer Jakobstraße, entstanden zentral und dennoch ruhig ­gelegen zwei Wohnhäuser. Einst als »Neukölln am Wasser« bezeichnet, befindet sich an der Neuen Roßstraße heute ein attrak­tives Wohnquartier in heterogener Umgebung. Der Stadtteil hat dabei den historischen Grundriss bewahrt und zeichnet sich sowohl durch Geschäftshäuser aus der Jahrhundertwende, Kriegsbrachen, Plattenbauten aus der DDR-Zeit und schnell entstandene Nachwende-Gebäude aus, die eine unzusammenhängende Mischung bilden.

Die zwei neu entstandenen Gebäude zeichnen sich durch ihre sehr unterschiedliche Position im Stadtgefüge aus. Eines befindet sich im Blockinneren und ist als achtgeschossiges Gartenhaus konzipiert, während sich das andere zur Straße hin als Stadthaus präsentiert. Das Doppelhaus an der Neuen Roßstraße schließt links an einen Plattenbau an, der durch einen Rücksprung und eine vorgelagerte wilde Begrünung fast verdeckt wird. Rechts liegt ein denkmalgeschütztes Geschäftshaus aus dem Jahr 1913 mit einer für diese Zeit typischen Pfeilerfassade. Für den Entwurf war die maximale Flächenausnutzung wichtig, die es innerhalb einer maximalen Traufhöhe von 22 m zu optimieren galt. Zwei Erker bilden senkrechte Dominanten, welche die vertikale Pfeilerstruktur des Nachbargebäudes aufnehmen. Außerdem spannen sich zwischen den Erkern Balkone auf, die untereinander nicht einsehbar sind. Die äußere Schicht der beiden Häuser besteht aus Putz, der durch unterschiedliche ­Körnungen und gekämmte Strukturen die Wand wie ein Kleid umhüllt. An den Sockelgeschossen, dort, wo die Fassade ro­buster und griffiger sein muss, wird er durch Natursteinplatten ersetzt. Rautenförmig angeordnet und von Rahmen gefasst zeigen diese sehr deutlich, dass sie nicht gemauert sind, ­sondern einen Teil des Gewandes darstellen. Die verschiedenen Putz­formen bilden in den oberen Geschossen ein geometrisches Muster und erzeugen so eine lebhafte Wirkung, wodurch das Haus einen prägnanten Beitrag zu seiner heterogenen Nachbarschaft leistet. Zwei Staffelgeschosse bilden − mit Satteldächern versehen − den Gebäudeabschluss.

 © Maximilian Meisse
© Maximilian Meisse

Während sich das Haus zur Straße hin durch seine abwechslungsreiche Struktur auszeichnet, äußert sich die Gestaltung im Innenhofbereich in einer geradezu funktionalistischen Strenge, um neben den angrenzenden Neubauten einen kraftvollen Standpunkt zu verkörpern. Im Inneren der Wohnbebauung befinden sich Zwei- und Vierzimmerwohnungen mit einer Fläche zwischen 56 m² und 136 m². Im Sockelbereich entstanden Maisonettes mit kleinen Privatgärten und offenen Treppenräumen.

Das zweite Haus, welches sich im Innenhof befindet und zu drei Seiten hin freistehend ist, wurde auf die gleiche Art wie das Vorderhaus verputzt. Die Flächen ergeben dabei in ihren verschiedenen Strukturen ein gliederndes Muster. Durch einen Vierspänner gelang es den ArchitektInnen, alle Wohnungen mit zur Sonne hin ausgerichteten Balkonen zu versehen. Ein ­besonders ausgeprägt gestaltetes Foyer dient wie auch im Vorderhaus als öffentlicher Raum und soll gleichzeitig zur Identifikation der BewohnerInnen mit dem Gebäude beitragen. Dreifarbige Natursteinböden mit einem geometrischen Muster, sowie ein aufgemalter Holzsockel nehmen Bezug auf vergangene Zeiten und schaffen elegant anmutende Räume von hoher Präsenz.

Ihre Gebäude − so die Sicht der PlanerInnen − sollen die BenutzerInnen nicht erziehen, sondern pragmatische, prägnante und zugleich schöne Gebrauchsgegenstände bilden. Auf diese Weise leisten sie einen Beitrag zur zeitgemäßen Architektur im Wohnungsbau.

Baujahr
2014
Bauherr
Wohnen an der Neuen Roßstraße GmbH & Co KG
Fläche
9.428 m²
Standort
Neue Roßstraße 17 / Wallstraße 25a
10179 Berlin
Deutschland

Modersohn & Freiesleben

Modersohn & Freiesleben
Bayernallee 47
14052 Berlin
Deutschland

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